Eine Rechtsabteilung
für jedes KMU.

Florian Schaffner

3. Dezember 2020 · 5 min Lesezeit

Kompetente Rechtsberatung ist teuer, und auf eigene Faust zu recherchieren birgt Gefahren. Nachdem das Internet viele der Informationen frei zugänglich gemacht hat, kommt nun die zweite Welle: LegalTech ermöglicht den Zugang zu*r Anwält*in. Und wenn auch nicht gratis, dann zumindest so preiswert, dass sich auch KMUs von Anwält*innen Antworten zu ihren rechtlichen Fragen holen können.

Eine Rechtsabteilung für jedes KMU

Die Buchhaltung, Altersvorsorge, rechtliche Fragen: Es gibt eine Handvoll Themen und Fachgebiete, mit denen man jede*n Gesprächspartner*in los wird. GAAP, Total Expense Ratios und AGB’s sind langweilige oder einschüchternde Begriffe – sie interessieren uns oftmals oberflächlich und aus Zwang, es sei denn wir sind selber Treuhänder*innen, Finanzberater*innen oder Jurist*innen. Gleichzeitig haben wir ein schlechtes Gewissen. Tief in uns drin wissen wir, dass wir für unsere Ignoranz und Interessenslosigkeit einen hohen Preis zahlen: Fehlendes Finanzwissen oder lückenhaftes Rechtsverständnis können gnadenlos zurückschlagen, und vernachlässigte Buchhaltungen haben eine Tendenz für böse Überraschungen.

Wer die Mittel hat, dem bietet sich eine einfache Lösung: Outsourcing. Man kauft sich die Expertise, sei es beim Treuhandbüro, im Private Banking, oder bei einer Anwaltskanzlei und das Problem ist gelöst. Das Unfaire daran: Je besser man bereits gebettet ist, desto einfacher ist der Zugang zur Expertise. Wem die Ressourcen fehlen, ist auf sich allein gestellt. Das ist nicht nur für Privatpersonen so, sondern auch für Firmen. Grossfirmen stellen ganze Abteilungen von Anwält*innen und Jurist*innen ein, während KMUs sich gut überlegen müssen, in welchen Situationen sich der Stundenansatz eine*r Anwält*in wirklich lohnt.

Wir waren selber in dieser Situation, als wir 2015 mit Print Matters! starteten: Wir waren uns nicht sicher, welches die geeignete Rechtsform für unser Startup wäre, aber hatten auch nicht das Budget, um es uns von eine*r Anwält*in erklären zu lassen. Nach ein paar Stunden Google-Recherche und ein paar Abwägungen entschieden wir uns für einen Verein. Es kam glücklicherweise zu keinen Zwischenfällen, aber auf vielen rechtlichen Aspekten war das Unterfangen ein Blindflug. Immerhin waren wir uns unseres Unwissens bewusst. Wir kennen andere Beispiele von (kleineren) Firmengründungen, bei der die Frage nach der Rechtsform vor allem vom Kontostand bestimmt wurde: Entweder hat man die 20'000 Franken für eine GmbH, oder man hat sie nicht. Es ist primär eine Frage des Geldes, rechtliche Feinheiten sind eher sekundär. (Print Matters! wurde kurz später zur GmbH, dank mehr Budget und einem kompetenten Anwalt.)

Vor fünf Jahren waren wir dankbar, dass wir dank dem Internet zumindest Zugang zu den wichtigsten Informationen hatten. Heute zeigen Startups wie CASUS und andere, in welche Richtung die Technologie die Rechtsberatung weisen wird: Es sind nicht mehr nur die Barrieren zum reinen Informationszugang, die wegfallen. Es sind je länger je mehr auch die Beratungen selber, die einem breiteren Publikum vereinfacht zugänglich gemacht werden. US-Firmen wie LegalZoom begannen diesen Prozess schon vor zwanzig Jahren, Anbieter wie Stripe setzen einem für 500 Dollar in 10 Minuten eine ganze Firma auf, mit sämtlichen Dokumenten auf. CASUS mag noch am Anfang seiner Reise stehen, aber ich bin überzeugt, dass sie und andere LegalTechs in Zukunft ähnliche Dienstleistungen in der Schweiz anbieten werden, und vielen einen Zugang zu Rechtsthemen verschaffen, der davor entweder unmöglich oder erschwert war.

P.S. Das gilt übrigens auch für die anderen oben erwähnten Themen: Dank Anbietern wie WealthFront oder TrueWealth können Kleinsparer*innen heute Geld investieren, wie es früher nur Millionär*innen vorenthalten war, und Apps wie VIAC haben komplexe Vorsorgefragen in eine einfach zu bedienende App umgewandelt.

Florian Schaffner hält einen PhD in Economics der Universität Zürich und arbeitet derzeit bei der Credit Suisse. Er hat in den vergangenen Jahren mehrere Projekte gestartet und Unternehmen mitgegründet, unter anderem den Zürcher Magazin-Shop Print Matters!, die Kunstplattform up & coming und das Zahnbürsten-Abo WYATT.

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